Die Schönheit des Weges - Magie und Zauber vom heiligen Pilgerpfad des Jakobus

 


Voller Dankbarkeit blicke ich zurück auf drei Tage unterwegs sein in der wunderschönen Natur der Fränkischen Schweiz. Für mich persönlich war diese kleine Reise über Ostern etwas ganz Besonders - ein Geschenk, welches ich mir selbst gemacht habe. Schon länger hatte ich die Idee im Kopf wieder auf dem Jakobsweg zu laufen. Zu meinem Glück verläuft er direkt durch den Ort, an dem ich leben darf.


Was viele vielleicht gar nicht über mich wissen:

Vor etwa acht Jahren gab es einen drastischen Wendepunkt in meinem Leben. Damals war ich sehr im Widerstand mit der Welt und vor Allem mit mir selbst, habe all meinen Besitz los- und hinter mir gelassen. Ich bin nicht stolz darauf, dass ich im Zuge dieses Loslassens und auf Reise gehen, einer wundervollen Frau das Herz gebrochen habe - doch heute umso dankbarer für diese Entscheidung, denn daraus ist etwas entstanden, dass ich wahre Liebe nennen würde. Es erfordert Mut und Hingabe für sich selbst einzustehen - die Bereitschaft zu haben, dafür zu gehen und zu geben, was einem am Herzen liegt. Heute bin ich unendlich dankbar darüber, dass trotzdessen oder vielleicht gerade deshalb eine tiefgründige Freundschaft voller gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Liebe füreinander geblieben ist.


Insgesamt irrte ich damals vier Monate auf dem Jakobsweg umher, auf der Flucht vor mir selbst, meinen Gedanken und Gefühlen - einen Großteil davon war ich alleine, manchmal in Gesellschaft von mehr oder weniger inspirierenden Menschen.

Ich glaube ich habe in meinem ganzen Leben nicht so viel geweint, wie zu dieser Zeit. Sinnflutartig brach es während dieser Reise immer wieder ohne Ankündigung aus mir heraus, so dass ich wirklich verwundert darüber war, wie viel Trauer, Schmerz und Kummer ich in meinem Herzen eingeschlossen hatte, ohne davon zu wissen.


Um ehrlich zu bleiben, war es kein reines Umherirren, denn ich hatte mir vorher ein Ziel gesetzt: Ich wollte auf dem Camino laufen bis nach Santiago de Compostela und dann noch weiter die Atlantikküste entlang bis in den Süden von Portugal - doch die Dinge kamen anders und meine Reise endete bereits in der wunderschönen Hafenstadt Porto, von wo aus ich dann mit dem Flugzeug auf die Kanaren übersetzte, um der Kälte des einbrechenden Winters zu entfliehen.

Gut, dass es so kam - denn wäre ich weitergegangen, hätte sich im Laufe der Zeit nicht eine ebenso tiefgründige Freundschaft mit einem Menschen entwickelt, den ich dort kennenlernen durfte. Doch all das ist eine andere Geschichte, von der ich vielleicht eines Tages noch berichten werde.


Für mich persönlich war es damals wichtig, darauf zu verzichten mir das Zertifikat für das Laufen auf dem Jakobsweg in Santiago de Compostela zu holen, denn ich fand den Gedanken schön, fortan weiter auf dem ‚Camino de la Vida‘ zu gehen - was ich gefühlt bis heute weiterhin tue. Während dieser Zeit ist auch die Idee für den Herz-Luftballon in meinem heutigen Logo von 'Mahaū - Cacao | Sound' entstanden, denn diesen hatte ich unterwegs bei jeder Gelegenheit auf Schildern, Hauswänden oder anderen Gelegenheiten hinterlassen.

Ich erwähne es, weil mir erst jetzt bewusst geworden ist, was dieses Symbol überhaupt für mich bedeutet: ‚Lass los, was du liebst‘



Als ich nun über die Ostertage auf dem Camino Santiago lief, habe ich wieder viele traumhaft schöne Bilder gemacht - dieses Mal allerdings mit meiner imaginären ‚Kopfkinokamera’ für einzigartige Augenblicke. Es war meine bewusste Entscheidung das Smartphone zu Hause zu lassen, um wirklich in die Schönheit des Moments eintauchen zu können. Aus Erfahrung weiß ich, dass es für mich einen Unterschied macht, ob ich mit oder ohne Handy unterwegs bin - ohne bin ich schlichtweg viel mehr bei mir und vor Allem auch auf mich selbst gestellt. Das Fehlen einer jederzeit abrufbaren Weltkarte schafft die Notwenigkeit andere Menschen anzusprechen und nach dem Weg zu fragen.

Die Gespräche und Begegnungen, die daraus entstehen können, sind außerdem um ein vielfaches wertvoller als die Möglichkeit ständig mit dem Handy in der Hand irgendwelche Fotos für die Nachwelt aufzunehmen. Zukünftig ist es dennoch vielleicht eine gute Idee eine kleine digitale Kamera dabei zu haben, denn es ist natürlich auch schön als Erinnerung ein paar Bilder von einer Reise zu haben.


„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“

Diese Frage habe ich mich mehrfach während meiner kleinen Wanderung über Ostern gestellt. Ich glaube es ist die Sehnsucht nach dem Unbekannten, die mich immer wieder in ferne Länder zieht. Gleichzeitig sagt diese Redewendung nach meiner Deutung wahrscheinlich einfach nur aus, dass es im Leben darauf ankommt, zufrieden zu sein, mit dem was man hat. Das Gras auf der anderen Seite des Zauns wird solange grüner bleiben bis die Einsicht kommt, dass es dort grün ist, wo es gewässert wird. Ich bin unendlich dankbar für alle die Möglichkeiten in meinem Leben und sich für mich beides nicht gegenseitig ausschließt.




Auch dieses Mal bin ich mehrfach vom Weg abgekommen, doch im Endeffekt habe ich ihn immer wieder gefunden. Metaphorisch lässt sich auch sagen, dass es nicht immer darum geht den Weg zu kennen, sondern ein Ziel zu haben und sich danach zu orientieren. Tatsächlich waren es bisher oft vor allem die Umwege, die meinen Horizont erweitert haben. Während ich das schreibe, wird mir bewusst, wie dankbar ich dafür bin, mittlerweile dieses Vertrauen ins Leben entwickelt zu haben. Denn egal wo ich hingehe, es wird dort einen Platz für mich geben!


Auch heute noch habe ich hin- und wieder Hemmungen fremde Menschen anzusprechen, ihnen frei und mit offenem Herzen zu begegnen - doch unterwegs auf Reisen ist das anders. Ich frage mich manchmal, woran das liegen könnte und habe bis jetzt immer noch keine Antwort darauf. Nennen wir es einfach mal die ‚Magie des Reisens‘…


Natürlich ist es nicht erlaubt irgendwo in der Natur sein Zelt aufzuschlagen, aber ich denke mir „Wo kein Kläger, da kein Richter“ und bin damit bisher gut gefahren. Es gab nur wenige unangenehme Situationen, bei denen das mal zu einem Problem wurde, doch auch dann gab es immer eine Lösung. Ich möchte damit nicht dafür werben einfach auf bestehende Regeln zu scheißen, sondern dazu ermutigen die Welt nach eigenem Ermessen zu erkunden - in Rücksichtnahme auf Natur und Mensch.


In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute auf deinem ganz persönlichen Weg!

Herzliche Grüße und eine schöne Zeit,

Many



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